Historische Frau des Monats Dezember

02.12.2015 09:47 von Anne Beel (Kommentare: 0)

Louise Aston

1814  Gröningen – 1871 Wangen im Allgäu

„Ich rauche Zigarren und glaube nicht an Gott“

Schriftstellerin und Vorkämpferin für die demokratische Revolution und Frauenbewegung

Louise Franziska Hoche wird am 26. November 1814 als Pfarrerstochter in Gröningen bei Halberstadt geboren. Mit 17 Jahren heiratet die junge Frau den 23 Jahre älteren Industriellen Samuel Aston. Die Ehe wird jedoch bereits 1838 auf Wunsch des Ehemannes geschieden. Obwohl sie kurz darauf erneut heiraten, hält die Verbindung nur bis 1844 und wird endgültig beendet. Ihre Erfahrungen verarbeitet sie in dem Roman „Aus dem Leben einer Frau“. Sie beabsichtigt „ ….die Frauen zu emanzipieren und sollte es ihr Herzblut kosten. Sie halte die Ehe für ein unsittliches Institut“.

Louise Aston geht daraufhin mit ihrer Tochter, aber nunmehr ohne soziale Absicherung und mit einer bescheidenen Rente, nach Berlin und will ihren Lebensunterhalt als Schriftstellerin verdienen. Louise fällt als junge, hübsche Frau auf, die gerne Hosen trägt, Zigarre raucht und sich offen dazu bekennt nicht an Gott zu glauben. Ihre „freie Liebe“ zu dem Dichter Rudolf Gottschall, und ebenso ihre Kontakte in die demokratischen Kreise der Stadt Berlin, zerstören ihren Ruf endgültig. Sie steht unter polizeilicher Beobachtung und verliert schließlich auch das Sorgerecht für ihre Tochter. Ihre schriftstellerische Arbeit „Wilde Rosen“ wird als Aufforderung zur sexuellen Zügellosigkeit verstanden und als schamlos diffamiert. So erhält die rebellische Frau 1846 den Ausweisungsbefehl und muss die Stadt unverzüglich verlassen. Daraufhin veröffentlicht Louise „Meine Emanzipation, Verweisung und Rechtfertigung“ in der sie Gleichheit und das Recht der Frau auf persönliche Entfaltung fordert. „Ich nehme das Recht in Anspruch, auf meine Facon selig zu werden, mich auf meine Art mit dem Weltall zu vermitteln, ein Recht, das den Frauen so zusteht wie den Männern“.

Zwei Jahre später, im Revolutionsjahr 1848, kehrt Louise Aston nach Berlin zurück und gibt die politische Wochenzeitschrift „Der Freischärle. Für Kunst und sociales Leben“ heraus, von der jedoch nur sieben Ausgaben erscheinen. Denn bereits im Dezember 1848 wird sie erneut aus Berlin ausgewiesen und siedelt nach Hamburg über. Louise kann dort nicht bleiben und kommt 1850, nach einigen Zwischenstationen und wiederholten Ausweisungen nach Bremen, wo sie schließlich auch fünf Jahre lang bleiben wird. Ihr Ruf eilt ihr jedoch auch hier bereits voraus. Für große Aufregung sorgt ihre Verbindung mit dem angesehenen Leiter der Bremer Krankenanstalten Dr. Daniel Eduard Meier. Das Paar heiratet trotz massivem Widerstand des Bremer Senats, der dem demokratischen Abgeordneten mit Berufsverbot droht, das schließlich auch verhängt wird. Nach Entlassung beginnt die Jahrzehnte lange Wanderschaft des Paares, die erst kurz vor Louises Tod, im Dezember 1871 in Deutschland endet.

Literatur von und über Louise Aston finden Sie auch bei uns im Archiv. Wir freuen uns auf Ihren Besuch dienstags von 13 bis 15 Uhr und donnerstags von 15 bis 18:30 Uhr.

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