Historische Frau des Monats Januar

07.01.2016 15:15 von Anne Beel (Kommentare: 0)

Lili Elbe

Foto: Wikipedia

18. Dezember 1882 Vela, Dänemark - 12. September 1931 in Dresden

„Ich kämpfe gegen die Voreingenommenheit des Spießbürgers, der in mir ein Phänomen, eine Abnormität sucht. Wie ich jetzt bin, so bin ich eine ganz gewöhnliche Frau“.

Lili Elbe, geboren als Einar Wegener, unterzog sich 1930 und 1931 als erste einer geschlechtsangleichenden Operation. Einar Wegener lebte fast fünf Jahrzehnte offiziell als Mann. Er empfand sein Dasein – gefangen in einem männlichen Körper – wie eine „…erbärmliche Larve, die darauf wartet, ein Schmetterling zu werden.“

1904 heiratet Wegener Gerda Gottlieb. Beide studierten an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen. Gerda war der Modeillustration zugetan und Einar spezialisierte sich auf Landschafts- und Architekturmalerei. Um ihren Bekanntheitsgrad als Künstler_innen zu erweitern, zogen die beiden 1912 in die Kunstmetropole Paris. Dort konnte Wegener seine Transsexualität und Gottlieb ihre lesbische Orientierung offener ausleben.

Ende der 1920er Jahre versuchte Wegener sein Dasein im falschen Körper nach und nach ein Ende zu bereiten. Bei den französischen Ärzten stieß er jedoch auf Ablehnung. Über seine Bekannte, der Baronin Marie-Anna von Goldschmidt-Rothschild, selbst Malerin und Kunstsammlerin, bekam Wegener Kontakt zu Kurt Warnekros. Der Dresdner Gynäkologe untersuchte ihn und vermittelte ihm das Angebot für eine Geschlechtsumwandlung. 1930 kam es dann zu der ersten geschlechtsangleichenden Operation am Berliner Institut für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld durch den Chirurgen Erwin Gohrbandt. Am 14. März 1930 reiste sie nach Dresden. In der Frauenklinik Dresden musste sie eine längere Zeit verweilen, weil die Wunden ihrer ersten Operation noch nicht abgeheilt waren. Am 26. Mai 1930 führte Kurt Warnekros die zweite geschlechtsangleichende Operation durch. Sicher ist, dass er weibliche Geschlechtsdrüsen transplantierte. Im Juli konnte Elbe die Frauenklinik gesund verlassen und reiste mit Gerda nach Kopenhagen, wo ihre Ehe vom dänischen König annulliert wurde. Wegener, die sich jetzt in ihrer Heimat als Lili Elvenes[1] in das Melderegister eintragen ließ, trug fortan nur noch Frauenkleider. Kurz nach ihrer Rückkehr verliebte sie sich in den Kunstsammler Claude Lejeune. Gerda heiratete den italienischen Piloten Fernando Porta, mit dem sie nach Casablanca zog. Wilde Gerüchte kursierten über das plötzliche Verschwinden des Malers Einar Wegener. Elbe entschloss sich, die Öffentlichkeit über ihre Geschlechtsumwandlung zu informieren. Eine befreundete Journalistin verfasste dazu einen Artikel, der in der Zeitung „Politiken“ veröffentlicht wurde.[2]

1931 kehrte Elbe für eine letzte Operation nach Dresden zurück. Sie wollte ihrem großen Wunsch nachkommen einmal Mutter zu werden und ließ sich eine Gebärmutter transplantieren. Sie erholte sich jedoch nicht. Die genaue Todesursache ist nicht bekannt, da keine Patientenakte mehr existiert.

Aktuell läuft in den deutschen Kinos die Filmbiographie über Lili Elbe „The Danish Girl“ von Tom Hooper.

Literatur über Lili Elbe finden Sie auch bei uns im Archiv. Wir freuen uns auf Ihren Besuch dienstags von 13 bis 15 Uhr und donnerstags von 15 bis 18:30 Uhr.



[1] Es wird vermutet, dass die Namensänderung von Elvenes auf Elbe auf Vorschlag der Journalistin hin erfolgt. Evtl. handelt es sich um eine Anspielung auf den Ort der Wiedergeburt (Dresden).

[2] Sabine Mayer hat einen kritischen Essay verfasst, wie zur damaligen Zeit in Dänemark mit dem Thema Transsexualität umgegangen ist: URL:  http://edoc.hu-berlin.de/nordeuropaforum/2010-1/meyer-sabine-33/XML/ (frei zugänglich).

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