Historische Frau des Monats

02.05.2016 09:59 von Anne Beel (Kommentare: 0)

Elisabeth Veronika Mann Borgese

2. v.r. Elisabeth Mann, Foto: Wikipedia

24. April 1918 in München - 8. Februar 2002 in St. Moritz, Schweiz

Seerechtsexpertin, Ökologin und Publizistin

Elisabeth Mann wuchs als jüngste Tochter von Katia und Thomas Mann in München in großbürgerlichen Verhältnissen auf. Nach Ihrer Schul- und Studienzeit arbeitete sie in den 1940er Jahren als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Komitee für eine Weltverfassung an der Universität von Chicago und wurde Präsidentin dieser Organisation. Nebenbei war Mann Borgese als Übersetzerin und Redakteurin tätig.

1963 publizierte Mann Borgese ihren wissenschaftlichen Essay Ascent of Woman (dt. Aufstieg der Frau – Abstieg des Mannes? 1965), das Ergebnis aus zwei Jahrzehnten Forschung. Darin befasst sie sich fachlich interdisziplinär mit der Frage, wie sich aus ungeschlechtlichem Leben im Tierreich im Laufe der Zeit Geschlechter entwickelt haben. Seit 1964 war Mann Borgese wissenschaftliche Assistentin von Robert Hutchins im kalifornischen Center for the Study of Democratic Institutions. Ab 1967 arbeitete Mann Borgese gegen die Verschmutzung und Überfischung der Weltmeere, konnte Hutchins von der Dringlichkeit dieses Themas überzeugen und legte 1968 einen Vorentwurf für eine Seerechtsverfassung vor. Schon zwei Jahre später, im Jahr der Gründung des Club of Rome, indem sie als einzige Frau Mitglied war, organisierte Mann Borgese die erste internationale Seerechtskonferenz in Malta. Mann Borgese gründete 1972 das International Ocean Institute auf Malta und wurde dessen erste Direktorin. Außerdem rief sie die Unabhängige Weltkommission für Meere, eine Organisation mit UN-Beobachterstatus, ins Leben. Die dritte UN-Seerechtskonferenz von 1974 befasste sich zentral mit den von Mann Borgese ins Gespräch gebrachten umweltpolitischen Aspekten. Ihr Buch Das Drama der Meere von 1975 wurde in dreizehn Sprachen übersetzt. Das UN-Seerechtsübereinkommen von 1982 geht maßgeblich auf Mann Borgeses Arbeiten zurück.

In Deutschland wurde Elisabeth Mann Borgese einem breiten Publikum durch den Dokumentar-Spielfilm Die Manns – Ein Jahrhundertroman im Jahre 2001 bekannt, in dem sie erstmals tiefe Einblicke in die Geschichte ihrer Familie gab. Elisabeth Mann Borgese war mit Giuseppe Antonio Borgese, einem antifaschistischen Intellektuellen verheiratet, der 1931 aus dem faschistischen Italien emigriert war. Borgese verstarb 1952 an einem Hirnschlag. Elisabeth Mann Borgeses Leben endete 2002 unerwartet. Sie starb vermutlich an einer Atemwegserkrankung während eine Skiurlaubes.

Literatur von und über Elisabeth Mann Borgese finden Sie auch bei uns im Archiv.

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