Historische Frau des Monats Oktober

05.10.2015 13:15 von Anne Beel (Kommentare: 0)

Die in Vergessen geratene Bremerin

Dr. Henriette Marie Verena Rodewald

(Quelle: Privatbesitz Christine Holzner-Rabe)

(1866-1937, Bremen)

Die in Vergessen geratene Bremerin

Frauenrechtlerin und Politikerin

Verena Rodewald wurde am 5. August 1866 in der Kolhökerstraße Nr. 10 in Bremen geboren. Mit der finanziellen Unterstützung ihrer wohlhabenden Familie und unter dem Verzicht auf eine mögliche Eheschließung, begann sie nach ihrer Schullaufbahn in Berlin, Kiel und Heidelberg Germanistik, Anglistik, Philosophie und Philologie zu studieren. 1908 promovierte sie 42jährig als eine der ersten Frauen im Deutschen Kaiserreich in Philologie. Als liberale Frauenrechtlerin kehrte Rodewald 1910 in ihre Heimatstadt Bremen zurück und begründete den „Frauenstadtbund Bremen“ mit. Die oberste Zielsetzung des Frauenstadtbundes, der aus einem Zusammenschluss von 15 Frauenvereinen bestand, war die „Förderung des weiblichen Geschlechts in wirtschaftlicher, sozialer, rechtlicher und geistiger Hinsicht und dadurch die Förderung des Allgemeinwohls“. Verena Rodewald führte den Vorsitz bis 1915 sowie von 1917 bis 1925. Der „Frauenstadtbund Bremen“ wurde zum Sprachrohr der bürgerlichen Frauenbewegung in Bremen. Verena Rodewald richtete als Vorstandsfrau des Frauenstadtbundes mehrere Petitionen an die Bürgerschaft und an den Senat. Eines ihrer wichtigsten Ziele war das Frauenstimmrecht und die damit verbundene Frauenemanzipation.

Im Zuge der Bremer Räterepublik bildete sich in Bremen der so genannte „Bürgerausschuss“, indem sich das konservative und liberale Bürgertum organisierte. Der „Bürgerausschuss“ forderte eine Beendigung der unsicheren politischen Verhältnisse, die nach der Novemberrevolution von 1918 herrschten. Obwohl sich in dieser Zeit die bürgerlichen Männer gegen eine politische Teilnahme von Frauen gewehrt hatten, wurde Verena Rodewald zur Gründung des Ausschusses in dessen geschäftsführenden Vorstand berufen. Die Mitglieder des Ausschusses versuchten damit ihren Forderungen größeren Nachdruck zu verleihen.

Nach dem Ende der Räterepublik 1919 trat Rodewald der DVP (nationalliberale Deutsche Volkspartei) bei und zog für diese im selben Jahr in die Bremer Nationalversammlung ein. In den vierzehn Jahren im Parlament, setzte sie sich insbesondere für die Gleichberechtigung und für Frauenrechte ein. 1933 zog sie sich nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten aus der Politik zurück.

1937 starb Verena Rodewald im Alter von 71 Jahren in Bremen. In ihrem Leben setzte sie sich hartnäckig für die Ausbildung von Mädchen und Frauen ein, sprach sich gegen das Patriarchat aus und nahm in ihren zahlreichen Reden in der Bürgerschaft Stellung zu Problemen des Gesundheitswesens und der Kultur.

(Quelle: Holzner-Rabe, Christine: Verena Rodewald, in: Meyer-Braun, Renate (Hg.): Frauen ins Parlament. Bremen 1991)

Literatur über Verena Rodewald finden Sie auch bei uns im Archiv. Wir freuen uns auf Ihren Besuch dienstags von 13 bis 15 Uhr und donnerstags von 15 bis 18:30 Uhr.

Zurück