Historische Frau des Monats September

03.09.2015 12:29 von Anne Beel (Kommentare: 0)

Audre Lorde (1934-1992, New York/Saint Croix)

„I am a black lesbian feminist mother poet warrior“

Schriftstellerin und feministische Aktivistin in der amerikanischen Bürgerrechts- und Friedensbewegung

Audre Geraldine Lorde wurde 1934 in Harlem/New York geboren und lernte bereits als vierjährige Lesen und Schreiben. Ihr erstes Gedicht verfasste sie in der 8. Klasse und entdeckte damit einen Weg ihre Erlebnisse und Gefühle auszudrücken. Nach dem Studium des Bibliothekswesens arbeitete sie lange Zeit als Bibliothekarin und schrieb Gedichte sowie Bücher, in denen sie sich mit ihrer Herkunft, ihrem Lesbisch-sein und ihren Erfahrungen als Schwarze US-Amerikanerin auseinandersetzte. Sie unterrichtete zudem am College in Mississippi. Während sie zunächst heiratete und aus dieser Ehe zwei Kinder hatte, lebte sie später offen lesbisch.

In den 1960er Jahren war sie in der Bürgerrechtsbewegung und der Friedensbewegung in den USA aktiv und engagierte sich besonders im Kontext der Black-Feminist-Bewegung. Ihre Texte und ihr Engagement hatten eine große Wirkkraft und erreichten in den 1980er Jahren auch Deutschland. In Berlin, wo sie eine Gastprofessur am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerika Studien innehatte und einige Jahre mit ihrer Partnerin Gloria Joseph lebte, setzte sie sich für die Vernetzung Afrodeutscher Menschen ein und war Mitbegründerin einer Afrodeutschen-feministischen Community zu der unter anderem auch May Ayim gehörte. Als 1992 das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen geschah, verfasste sie zusammen mit ihrer Partnerin einen offenen Brief an den Bundeskanzler Helmut Kohl in dem sie ihre Besorgnis über die rassistischen Ereignisse in Deutschland äußerten.

Im November desselben Jahres starb sie an Brustkrebs in ihrem Haus auf der Insel St. Croix, wo sie mit ihrer Partnerin lebte. Aus einer frühen Ehe hatte sie zwei Kinder.

Lorde, die zunächst in einer Ehe mit einem Mann lebte und zwei Kinder hatte, bezeichnete sich selbst als „Schwarze, Lesbe, Feministin, Mutter, Dichterin und Kriegerin“ mit dieser Selbstbezeichnung machte sie deutlich, dass Menschen sich durch vielfältige Eigenschaften und Identitäten auszeichnen und somit unterschiedlichste Erfahrungen haben. Damit griff sie schon früh Gedanken der Intersektionalität auf, die als Theorie in den USA in den 1970er und 80er Jahren entstand und sich besonders für die Sichtbarkeit von Überschneidungen der Kategorien Klasse, Ethnie und Geschlecht einsetze. Diese Bestrebungen wurden erstmals artikuliert als Sojourner Truth 1851 ihre vielzitierte Rede „Ain’t I a Woman“ hielt.

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