Frau des Monats September 2020: Gisèle Halimi

01.September 2020 | | Frau des Monats

Gisèle Halimi

Tunesische Aktivistin und Rechtsanwältin mit großer Wirkungsmacht

geboren am 27.06.1927 in La Goulette

gestorben am 28.07.2020 in Paris

Gisèle Halimi wurde 1927 als Tochter eines Berbers und einer Jüdin in der tunesischen Hauptstadt Tunis geboren. Wie sie selbst in ihrem Buch „La cause de femme“ schreibt, erlebte sie schon damals erste Ungerechtigkeiten auf Grund ihres Geschlechtes. Denn ihr Vater weigerte sich vorerst sie als sein Kind zu akzeptieren, da sie kein Junge geworden war.

Schon im jungen Alter machte sie deutlich, dass sie sich nicht unterdrücken lässt und sich für ihre Rechte stark macht. So erkämpfte sie sich im Alter von 10 Jahren ihre Bildungsrechte und besuchte fortan ein tunesisches Gymnasium. Sie widersetzte sich Aufgaben, die das Bedienen und Umsorgen ihrer Brüder beinhalteten, so wie es zu damaliger Zeit für eine junge Frau Norm war. Des Weiteren wendete sie sich zum Leidwesen ihrer Mutter von der jüdischen Religion und den damit einhergehenden Idealvorstellungen von gläubigen Frauen ab. Im Alter von 16 Jahren sollte sie eine arrangierte Ehe eingehen, gegen die sich wehrte. Mit 18 Jahren beschloss sie nach Frankreich zu gehen und Jura zu studieren um als Rechtsanwältin beruflich unabhängig zu werden.

Als Halimi 1949 nach Tunesien zurückkehrte, trat sie kurzweilig in eine Anwaltskanzlei ein.

Nachdem 1956 aus dem französischen Protektorat die Tunesische Republik geworden war, heiratete Gisèle Elise Taieb den Franzosen Paul Halimi und ging mit ihm nach Frankreich. Sie hatten zwei gemeinsame Kinder. Bis zu ihrem Tod war sie dreimal verheiratet und hat drei Jungen großgezogen. Gisèle Halimi war eine Rechtsanwältin, die besonders für frauenrechtlich relevante Prozesse bekannt wurde.

Gemeinsam mit der Schriftstellerin und Philosophin Simone de Beauvoir und der Schriftstellerin Christiane Rochefort gründete Halimi im Juli 1971 die Frauenrechtsorganisation Choisir la cause de femme. Ziel der feministischen Gruppe war in erster Linie die Verabschiedung des Abtreibungsgesetzt von 1920, sowie kostenfreie Verhütungsmittel und die Verteidigung von Frauen in rechtlichen Verfahren. Anfang des Jahres veröffentlichten sie das Manifest 343. In diesem bekennen sich 343 Frauen, dass sie schon einmal abgetrieben haben.

In Halimis Laufbahn als Rechtsanwältin gab es zwei Fälle, die besonders viel Aufmerksamkeit auf sich zogen. 1972 übernahm sie einen Fall einer Minderjährigen die nach einer Vergewaltigung mit der Hilfe ihrer Mutter eine Abtreibung vollzog und deshalb angeklagt wurde. „Der Akt der Zeugung ist ein Akt der Freiheit“ so Gisèles Worte, woraus folgt, dass kein Gesetz der Welt eine Frau zwingen kann, Verantwortung für ein Kind zu übernehmen, wenn sie sich nicht in der Lage sieht diese Verantwortung aus jeglichen Gründen zu übernehmen. Unter anderem bewirkte die Bekanntwerdung des Falls der Minderjährigen im Jahr 1975 das Veil-Gesetz, die Revision des Abtreibungsgesetzes und dessen Legalisierung.

Im Laufe der Jahre entwickelten sich die Ziele von Choisir la cause de femme weit über das Abtreibungsgesetz hinaus. Im Fokus standen allgemeine Frauenrechte, der Kampf gegen Vergewaltigung, körperliche sowie moralische Gewalt und Benachteiligung jeglicher Art.

Kurz darauf, im Jahr 1978 wird ihre Wirkungsmacht in einem anderen Prozess deutlich. Sie vertritt zwei Frauen, die von drei Männern vergewaltigt worden sind. Durch die Verhandlung, in der die Männer verurteilt wurden, bewirkte Gisèle Halimi 1980, dass Vergewaltigung in Frankreich offiziell als Straftat erklärt und somit härter bestraft wird.

Obwohl sie nie einer Partei angehörte, wurde sie 1981 zur Abgeordneten der Nationalsversammlung gewählt. Dort schloss sie sich bis 1984 der sozialistischen Fraktion an. In den folgenden Jahren wirkte sie bei der UNESCO und der UNO mit. Sie war außerdem Gründungsmitglied der 1990 gegründeten globalisierungskritischen Organisation Attac.

Am 28. Juli 2020 starb Gisèle Halimi in Paris.

Bildquelle:

Wikipedia

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