Ausstellung „Plakatierte Politiken“

 

OPEN AIR Galerie von ARRT POP

Auf den Wallanlagen (vor der Kunsthalle Bremen)
Vom 16.09-30.09.21
In Kooperation mit belladonna e.V.
Kuration: Brigitte Boomgaarden aka Moni Lang, Rebecca Gefken

 

Wie sehen visuelle Einsprüche in patriarchale Verhältnisse ‚damals‘ und ,heute‘ aus? Welche Themen sind nach wie vor aktuell und welche Begriffe haben sich verschoben? Welche Praktiken und Visualitäten wiederholen sich, wo werden neue Formen & Formate entwickelt? Wie lassen sich Bezüge im historischen Kontext herstellen und Dis_Kontinuitäten in aktivistischen Praktiken und Visualitäten nachvollziehen?

 

Monika Brunnmüller, lesbische Aktivistin, erinnert sich: 

„Damals haben wir nicht an eine spätere Archivierung gedacht, sondern nur an eine schnelle Verbreitung von Infos zu bestimmten Lesben- und Frauen-Events. Die Herstellung entsprach nicht den heutigen ästhetischen Kriterien, mangels Computertechnik wurden Texte handschriftlich, mit der Schreibmaschine oder per „Letraset“ mühsam gestaltet. Die Illustrationen sind oft dilettantisch gezeichnet oder schlecht kopiert. Doch gerade dieser mangelnde Perfektionismus wirkt authentisch und berührt auch im 21.Jahrhundert feministische Herzen.“

 

 

 

Das Plakat als politisches Medium

 

Das Plakat als politisches Medium war und ist integraler Bestandteil vielfältiger emanzipativer Kämpfe und Debatten. Vor 150 Jahren wurde beispielsweise der Paragraph 218 zur Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen eingeführt und ist seitdem Gegenstand feministischen Widerstands, der sich auch anhand von Flugblättern und Postern für Demonstrationen und Aktionen bis heute nachvollziehen lässt.

 
 
 
 
„Es ist unglaublich beeindruckend zu sehen, welche Kämpfe Feminist*innen bereits vor 150 Jahren gekämpft haben. Die Plakate in dieser Ausstellung sind mitreißend und geben einen tollen Einblick in vergangene Kämpfe und Kämpfe, die (leider) immer noch nicht beendet sind.“ (A.L)

 

In der Ausstellung „Plakatierte Politiken“ in Kooperation mit der OPEN AIR Galerie von ARRT POP werden historische und aktuelle Plakate und Flugblätter aus Bremen zu sehen gegeben. Mittels QR-Code können Besucher*innen einige Hintergrundinformationen zudem audiovisuell erfahren.

Neue Perspektiven auf Bremische Geschichte und Gegenwart

Mit dieser gemeinsamen Ausstellung, mit der Künstler*in Moni Lang und dem Bremer Frauenarchiv und Dokumentationszentrum belladonna e.V. sollen neue Perspektiven auf Bremische Geschichte und Gegenwart ermöglicht werden. Im feministischen Archiv bei belladonna e.V. befinden sich über 5000 Plakate aus der bremischen sowie deutschen Lesben- und Frauenbewegung. Das Archiv versteht sich als Brückenbauer*in zwischen den verschiedenen Generationen von Aktivist*innen und Bremer*innen. Moni Lang ist als selbstständige politische Künstler*in und Aktivist*in in Bremen tätig, und gemeinsam mit Rebecca Gefken von belladonna wurden die Plakate, Flugblätter und Aufrufe der letzten 50 Jahre ausgewählt.

Häufig findet kein Generationenaustausch zwischen den unterschiedlichen Generationen von Aktivist*innen statt. In unserem Archiv haben wir mit vielen unterschiedlichen Generationen von Aktivist*innen, Queers, Frauenrechtlerinnen und politischen Akteur*innen zu tun. Feminist*innen haben in Bremen eine sehr aktive Geschichte, auf die sie zurückschauen können. Eine Geschichte, an die sie anknüpfen können. Damit nicht jede Generation von Vorne anfangen muss. Im folgenden habt ihr die Möglichkeit, euch auf eine kleine Zeitreise zu begeben. 

In vier Teilen könnt ihr Einblicke in längs vergangene Zeiten erlangen, die bis ins heute nachwirken. 

Hinter lila Vorhängen – Eine Zeitzeugin erinnert sich:

„Immer wenn ich Auf den Häfen entlang ging, sah ich die lila Vorhänge, Frauenzentrum stand groß darüber. Ich kannte keine, die dorthin ging, war aber sehr interessiert, was sich hinter diesen Vorhängen abspielte.“1

Was für ein Frauenzentrum? Hört euch rein in unsere Schlaglichter auf 50 Jahre feministischen Aktivismus in Bremen.

——————–HIER ZU DEN AUDIOBEITRÄGEN——————–

Die folgenden Audiobeiträge  Bremer Lesben- und Frauenbewegung – Geschichte lebendig erhalten“ sind ein Essay von Monika Brunnmüller in Zusammenarbeit mit Maren Bock eingelesen von Rebecca Gefken. Der Volltext mit eingebetteten Digitalisaten ist auf dem Fachportal des Digitalen Deutschen Frauenarchiv zu finden. Dafür geht es HIER entlang.

Euch hat unsere Ausstellung gefallen? Schaut doch gerne bei uns im Archiv und unserer Bibliothek vorbei. Zum Beispiel am 14.10.2021- dann findet unser lesbisch_queeres_feministisches Geschichtslabor statt. Um 17 Uhr geht´s los. Viele Materialien wie Zeitschriften, Bücher, Flyer und Plakate sind Dokumente aus der autonomen Lesben- und Frauenbewegung ab den 1970er Jahren. Dass Anna Rühling bereits 1904 die erste „Lesbenpolitische“ Rede gehalten hat, ist weitgehend vergessen. Auch heute noch kämpfen Lesben und Queers für Sichtbarkeit und Akzeptanz. Während unserer interaktiven Archiv- und Bibliotheksführung mit Zeitzeuginnen gewähren wir einmalige Einblicke in vergangene und bewegte Zeiten. Wir öffnen unsere Magazinschränke mit unzähligen Archivmaterialien, die die Kämpfe unserer Vorreiter*innen, Mitstreiter*innen oder Zeitgenoss*innen in Schrift und Bild lebendig werden lassen. Welche Parolen und Kämpfe sind heute noch aktuell? Welche Diskurse wurden innerhalb der Communities geführt? Welche Codes galten in der Lesbisch-Feministischen Subkultur? Inwiefern ist „Lesbe sein“ eine politische Verortung innerhalb eines Systems?

Archivführung mit Gespräch

Donnerstag, 14.10.2021, 17 Uhr

Eintritt: frei

Begrenzte Teilnehmer*innenzahl

Mehr Informationen findet ihr hier oder auf instagram (belladonna_archiv) / twitter (belladonna_hb) / facebook (belladonna)

Wir freuen uns auf euren Besuch!