Frau des Monats Februar 2022: Louise Aston

01.Februar 2022 | | Frau des Monats

Louise Aston

Geboren: 26.11.1814

Gestorben: 1871

Fromme Seelen, fromme Herzen,

Himmelssehnend, lebenssatt;

Euch ist rings ein Thal der Schmerzen,

Eine finst’re Schädelstatt!

Mag in schreckenden Gesichten

Bang vor mir das Schicksal steh’n;

Nie soll mich der Schmerz vernichten,

Nie zerknirscht und reuig seh’n!

Freiem Leben, freiem Lieben,

Bin ich immer treu geblieben!

Sie rauchte, trug Hosen statt Röcke, verstand sich als emanzipierte Frau und engagierte sich als Vorkämpferin der Demokratie und Frauenrechte. Louise Aston ist als Louise Franziska Hoche am 26. November 1814 in Gröningen, bei Halberstadt geboren. Durch den Druck ihres Vaters heiratete sie Samuel Aston, einen englischen Fabrikanten.

Sie hatten drei Kinder, wovon tragischerweise nur Jennifer überlebte. Das Paar ließ sich 1844 endgültig scheiden. Zwar gehörte sich das in einer patriarchalen Gesellschaft nicht, sich als Frau mit Kindern vom Mann zu trennen, doch Louise Aston war es schon immer wichtig selbstbestimmt leben und lieben zu können. So hatte sie nach der ersten Ehe einige Liebschaften und veröffentlichte 1846 passend dazu, ihren Gedichtband „Wilde Rosen“, mit ihrem Lebensmotto: „Freiem Leben, freiem Lieben, Bin ich immer treu geblieben“ (s. oben). Nachdem sie eine Zeitlang bei ihrer Schwester in Preußen lebte, ließ sie sich in Berlin nieder. Aufgrund vieler anonymer Beschwerden über ihre erotischen Gedichte und ihrem damals nicht als weiblich interpretierten Kleidungsstil wurde sie seit 1846 vom Staat überwacht. Von der Gesellschaft wurde sie als „femme fatale“ gesehen, die sich vor Männern nicht benehmen könnte. Wegen ihres Nonkonformismus und ihrem offenen Verneinen organisierter Religiosität wurde sie als „staatsgefährliche Person“ 1864 schlussendlich aus Berlin ausgewiesen. Nachbar*innen sahen sie als Intrigantin gegen Staat, König und Religion. Astons Buch „Meine Emanzipation, Verweisung und Rechtfertigung“ schildert diesen Vorfall, in dem sie zudem radikale Forderungen nach Geschlechtergleichheit und dem Recht der Frau auf freie Persönlichkeitsentfaltung formulierte. Bei der Märzrevolution 1848 nahm sie als Krankenpflegerin am Kampf der Schleswig-Holsteiner gegen Dänemark teil. Dabei lernte sie auch den Arzt Daniel Eduard Meier kennen. Sie folgte ihm nach Bremen, wo er ein leitender Arzt war und sie beide dem „Demokratischen Verein“ angehörten. 1849 wurde erst ein „modernes, demokratisches Gesetz“ verabschiedet, jedoch fand kurz danach eine Konterrevolution statt, die letztlich auch den „demokratischen Verein“ unter Verdacht nahm, konspirativ zu arbeiten. Diese Information blieb bei der Polizei und dem Staat nicht aus, weshalb der Senat so beunruhigt war, dass Meier aufgrund der Ehe zu Louise Aston 1855 seine leitende Stelle gekündigt wurde. Anhand von fadenscheinigen Gründen, nach denen sie über Jahre hinweg Ausschau hielten schafften sie es ihm den Job zu nehmen, nur weil seine Frau Louise Aston ihre Meinung offenkundig mit der Welt teilte. Es heißt, Louise Aston wäre noch immer: „ein sehr thätiges Werkzeug der Propaganda“. Ihre Ansichten formulierte Louise Aston immer geradeaus heraus und versteckte ihre eigenen Überzeugungen nicht.

So verließ das Paar Deutschland, um im Krimkrieg auf russischer Seite als Arzt und Krankenpflegerin freiwillig zu arbeiten. Anschließend lebten sie im russischen Kaiserreich, in Ungarn und Österreich, bis sie 1871 wieder nach Deutschland zurückkehrten. Bald darauf starb sie vermutlich im Alter von 57 Jahren an Tuberkulose. Nun liegt sie auf dem alten Friedhof in Wangen im Allgäu begraben mit dem Zitat „Nach Kampf Frieden“.

Quellen:

Hethey, Frank. 18.12.2021: Weser Kurier. Bremen.

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Louise_Aston (Zugegriffen 20.01.2022)

Bild: Wikipedia

 

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