Frau des Monats Januar 2022: Selma Lagerlöf

17.Januar 2022 | | Frau des Monats

Selma Lagerlöf

Schwedische Schriftstellerin

Geboren: 20.11.1858

Gestorben: 16.3.1940

 

Die schwedische Schriftstellerin Selma Ottilia Lovisa Lagerlöf kennt wahrscheinlich Jede*/r durch die Geschichte von Nils Holgersson. Geboren ist sie am 20. November 1858 in Schweden auf Gut Mårbacka, in der heutigen Gemeinde Sunne, Värmland. Selma Lagerlöfs Werke zählen zur Weltliteratur und sind später nicht nur in Schweden bekannt geworden. Doch Lagerlöf ist nicht nur als Schriftstellerin präsent, sondern auch als Frauenrechtlerin und Aktivistin in diversen politischen Fragen. So hielt sie zum Beispiel beim internationalen Frauenkongress 1911 in Stockholm die Rede „Heim und Staat“, half Menschen in Not oder spendete Geld während des Krieges und wirtschaftliche Krisen. Trotz aller Hürden in ihrem Leben und dem Gefühl eine Außenseiterin zu sein, hielt sie an ihren Träumen und ihrem Können fest und zog die Dinge durch, die sie tun wollte. So gewann sie 1909 als erste Frau den Nobelpreis für Literatur, zog 1914 als erste Frau in die schwedische Akademie mit ein, wurde Volksschullehrerin, veröffentlichte mehr als zehn Werke, reiste durch Südeuropa, kaufte sich ihr Familienheim Mårbacka zurück und hatte leidenschaftliche Liebesbeziehungen mit zwei Frauen.

Lagerlöf ist die zweitjüngste von sechs Geschwistern, zwei ihrer Schwestern starben früh. Dabei war Tuberkolose ein Thema, was sie auch später im Werk des Nils Holgersson aufgriff. Sie selbst ist mit einem Hüftproblem geboren, wodurch eine Zeitlang beide ihre Beine gelähmt waren. Lagerlöf bekam in Stockholm Physiotherapie, doch ein kleines Hinken blieb zurück. Durch diese (leichte) körperliche Behinderung fühlte Lagerlöf sich schon früh als Außenseiterin, was Sie in ihren Werken verarbeitete in denen sie viele Figuren miteinbaute, die dieses Gefühl nachvollzogen. Sie und ihre jüngere Schwester Gerda wurden anders als ihre Brüder von zuhause aus unterrichtet. Dadurch standen sich die Beiden sehr nah. In den 1860er Jahren verschlechterte sich jedoch die wirtschaftliche Lage in Schweden und die Familie Lagerlöf musste um ihr Gut bangen, was sich bis in die 1870er verschlimmerte. Selma Lagerlöf musste als Jugendliche Angst um ihr Heim Mårbacka und ihre Familie haben. Auch diese Angst um den Verlust ihres Zuhauses verarbeitete Sie besonders in ihren Werken. Sehr früh erkannte Sie, dass das Schreiben, wie für sie geschaffen sei:

 „Diese Behinderung hat mich gezwungen stillzusitzen und in mich hineinzuschauen und das ist der Grund, warum ich Schriftstellerin wurde“, erzählte sie.

1881 entschied sich Selma Lagerlöf gegen den Willen ihres Vaters dazu, nach Stockholm auf ein Mädchengymnasium zu gehen, das Sie bis 1882 besuchte. Im Anschluss dessen absolvierte Sie 1885 eine Ausbildung zur Volksschullehrerin und nahm eine Stelle in Landskrona ein, die Sie bis 1895 besetzte. Während dieser Zeit schrieb sie ihren ersten Roman „Gösta Berling“, der zu Beginn nicht wie erhofft bei den Leser*innen ankam und ihr nicht das nötige Geld einbrachte, um die Stelle als Lehrerin aufgeben zu können. Erst als der bekannte dänische Literaturkritiker Georg Brandes 1893 eine positive Kritik schrieb, wurde das Buch heute zu einem der am meisten gelesenen schwedischen Bücher. So konnte Lagerlöf 1895 ihre Stelle als Lehrerin aufgeben und reiste durch Südeuropa, wo ihr Buch: „Die Wunder des Antichristen“ entstand. Infolgedessen zog sie aufgrund der Bitte ihrer Schwester Gerda nach Falun in Dalarna. Dieses galt als Zentrum des schwedischen Brauchtums und der Volkskultur und diente für Lagerlöf als Inspiration ihrer nächsten Werke. So wanderte zum Beispiel in der Nähe von Falun 1896 eine Gruppe von Bauern aufgrund einer „religiösen Erweckung“ nach Jerusalem aus, um sich dort einer amerikanischen Sekte anzuschließen. Dieses Phänomen beobachtete Lagerlöf und machte es zum Thema ihres nächsten Romans: „Jerusalem“, der ihr großer Durchbruch als freie Schriftstellerin war.

1906 verfasste Lagerlöf ihre bekannteste Geschichte: „Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“, was als Erziehungs- und Entwicklungsroman diente. 1907 wurde ihr dann die Ehrendoktorwürde der Philosophie in Uppsala verliehen, 1909 erhielt sie als erste Frau den Literaturnobelpreis, 1914 wurde sie Mitglied der Schwedischen Akademie und 1928 erhielt sie die Ehrendoktorwürde der Universität Greifwald.

Durch diese Erfolge und dem Preisgeld kaufte sie sich 1908 das Gutshaus von Mårbacka zurück und 1910 sogar das dazugehörige Land. Durch erneute Aufkäufe konnte sie 1914 die Ländereien verdoppeln. Lagerlöf investierte all ihre Energie, Zeit und Geld in ihr Gut, betrieb Landwirtschaft und betrieb eine kleine Hafermehlproduktion, obwohl ihr Hauptwohnsitz bis 1923 noch in Falun, in einer kleinen Villa angelegt war. Doch nach ihrem großen Umbau des Gutshauses in Mårbacka ließ sie sich 1923 wieder das ganze Jahr dort nieder und verfasste zahlreiche weitere bekannte Romane.  Nebenher stellte sie allerdings noch sicher, dass sie hilfsbedürftige Menschen unterstützte, soweit es ihr möglich war. Sie nahm einen kleinen Jungen namens Nils Holgersson, der zufälligerweise den Namen ihres Romanhelden hatte, bei sich auf, half der jüdischen Familie von Nelly Sachs, die 1940 vor den Nazis aus Deutschland floh, stellte während der Weltwirtschaftskrise noch mehr Menschen bei sich ein, spendete Finnland 1939 im Winterkrieg ihre goldene Nobelpreis Medaille und setzte sich für Frauenrechte ein. Ihr Leben teilte sie besonders innig mit zwei Frauen. Briefen zufolge, die sie sich damals schickten, führte Sie eine Dreiecksbeziehung mit den beiden Frauen. Beiden gegenüber gestand sie ihre Liebe und Sehnsucht, trotz alledem bestand wohl Eifersucht zwischen ihren beiden Freundinnen. Am 16. März 1940 starb Selma Lagerlöf aufgrund eines Schlaganfalls, den sie zuhause erlitten hatte.

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