Frau des Monats Mai 2020: Lydia Rabinowitsch-Kempner

04.Mai 2020 | | Frau des Monats

Lydia Rabinowitsch-Kempner

Geboren am 22.08.1871 in Kaunas, Litauen (damals russisches Reich)

Gestorben am 03.08.1935 in Berlin

Bakteriologin, Tuberkulose-Forscherin und Frauenrechtlerin. Als erste Frau erhielt sie in Berlin den Professorentitel und gab die Fachzeitschrift (Zeitschrift für Tuberkulose) heraus. 1920 übernahm die ehemalige Assistentin von Robert Koch das Bakteriologische Institut am Städtischen Krankenhaus Moabit.

Lydia Rabinowitsch wurde 1871 als jüngstes von neun Kindern des jüdischen Brauereibesitzers Leo Rabinowitsch und seiner Ehefrau Minna (geb. Werblunsky) in Litauen geboren.

Sie besuchte das Mädchengymnasium in Kaunas und ging nach dem frühen Tod des Vaters 1889 zum Studium der Naturwissenschaften nach Bern und Zürich, weil Frauen im russischen Zarenreich der Zugang zur Universität verwehrt war. 1894 promovierte sie im Fachbereich Medizin zur Entwicklungsgeschichte der Fruchtkörper einiger Gastromyceten mit summa cum laude. In Berlin erhielt sie als einzige Frau eine Stelle bei Robert Koch am Königlich Preußischen Institut für Infektionskrankheiten – als unbezahlte Assistentin!

Für ihre wissenschaftlichen Forschungen blieb dort wenig Zeit, so ging sie 1896 nach Philadelphia, wo sie am Women’s Medical College of Pennsylvania als Dozentin lehrte. 1898 wurde sie Professorin für Bakteriologie und gründete ein Institut.

Sie reiste öfter nach Berlin, wo sie den Arzt Walter Kempner kennenlernte. 1898 heirateten die beiden während eines internationalen Medizinkongresses in Madrid. 1900 gründete Rabinowitsch-Kempner mit der Physikerin Elsa Neumann den „Verein zur Gewährung zinsloser Darlehen an studierende Frauen“, war im „Dt. Lyceumclub“ und im „Bund für Mutterschutz und Sexualreform“ aktiv. 1903 wechselte Rabinowitsch-Kempner an das Pathologische Institut der Charité und war 16 Jahre lang wissenschaftliche Assistentin.

Als Tuberkulose-Forscherin machte sie sich einen Namen, hatte bereits 1895 den Erreger der Rindertuberkulose in Rohmilch nachweisen können und setzte ein Verfahren zur Pasteurisierung der Milch durch. Sie publizierte zahlreiche wissenschaftliche Schriften, hielt Vorträge auf internationalen Kongressen und erhielt 1912 den Professorentitel als erste Frau in Berlin und als zweite Frau in Preußen. Sie erhielt jedoch keine Befugnis zur Abhaltung von Vorlesungen an der Universität und durfte als Frau auch nicht habilitieren. Während des Ersten Weltkriegs fungierte sie als Beraterin in der Seuchenvorbeugung, nachdem sie die Leitung der „Zeitschrift für Tuberkulose“ übernommen hatte.

Als sie 1920 mit 49 Jahren endlich eine feste Anstellung am Städtischen Krankenhaus Moabit erhielt, starb ihr Ehemann im selben Jahr an Kehlkopftuberkulose. 1924 nahm sie als Ehrengast der „Medical Women’s International Association“ am internationalen Ärztinnenkongress in London teil. Zum 60.Geburtstag wurden Rabinowitsch-Kempners herausragende Leistungen als Bakteriologin und ihre Verdienste für die Frauenbewegung gewürdigt. Ein Jahr später, 1932, fiel ihre einzige Tochter Nadja der Tuberkulose zum Opfer.

Ende 1933 veranlassten die Nationalsozialisten die Zwangspensionierung von Rabinowitsch-Kempner aufgrund ihrer jüdischen Abstammung, auch die „Zeitschrift für Tuberkulose“ durfte sie nicht mehr herausgeben. Während sie ihren Kindern Robert und Walter die Emigration ermöglichte, blieb sie selbst in Berlin zurück.

Am 3. August 1935 starb sie nach schwerer Krankheit und wurde im Familiengrab der Kempners in Berlin-Lichterfelde beigesetzt. Eine Ehrentafel für jüdische Ärzt*innen am Krankenhaus Moabit weist auch ihren Namen auf. 2016 beschlossen die Bezirksverordneten von Berlin-Mitte die Benennung einer neuen Straße in der Europa City mit „Lydia-Rabinowitsch-Straße“.

Bildquelle:

Wikipedia

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